Jasmin fragte im Gästebuch, wie ich meine Grafiken mache und nicht mal einen Monat später blitze ich mit der Antwort um die Ecke. Damit es kein allgemeines Blabla wird, habe ich mich selbst mit einem Notierstift begleitet, als ich einen NPC pixelte. Gerade eben.
A
Ich beginne mit der Wahl der Hintergrundfarbe. Die wird später transparent, also nehme ich möglichst eine, die sich nicht mit einer der tatsächlich verwendeten überschneidet und die sich klar als Malfläche abhebt. Ein mattes Pink ist eine sichere Wahl. Damit male ich bestimmt keine Gesichter.
Traditionell fange ich mit der Nase an. Sie ist die Gesichtsmitte, um die sich alles herum arrangiert. Ich male keine Grobkontur vor, weil ich kein festes Stilformat habe, in das ich alle Köpfe hineinpresse. Das ist nicht sehr effizient, aber gestattet immer den Ausbruch ins Individuelle. Hier wähle ich eine lange, spitze Männernase, weil mir gerade danach ist, ich sowas auch hinkriege und es nach den ganzen Stummelgesichtsaufsätzen wieder an der Zeit für einen richtigen Zinken ist.
B
Ist der Nasenumriss fertig, male ich das Körperteil auch gleich aus. Damit ist ein konkreter Bezug gesetzt, nach dem sich der Rest (Farbarrangement, Lichteinfall) ausrichtet. Die Haut ist schön schweinchenfarben, denn ich bin mir ja immer mein größtes Vorbild, und den Nasenrücken und den Oberteil der Nasenflügel male ich etwas heller, um mit der Illusion einfallenden Lichts die Nase plastischer erscheinen zu lassen. Nach einem kurzen Moment entscheide ich mich, die Nasenflügel nicht im Umriss-Schwarz zu halten, was sie zu sehr abhöbe, sondern wechsele auf Braun. Ja, passt.
C
Über die Augen definiert sich in meinen Augen ein Gesicht enorm. Ich versuche hier trotz des geringen Pixelplatzes entsprechend breit zu variieren, greife also nicht auf immer gleiche Vorlagen zurück, pixele vielmehr jedesmal von Neuem. Erst mal platzieren. Bereits der Sitz (hoch, mittel, tief, weit auseinander, eng beieinander) des
Augenpaares wird das spätere Gesicht charakterlich disponieren. Für mein Spiel sind Blondschöpfe eine gute Wahl, ich wähle dicke Brauen, unter denen die Augen gerade noch hervorlugen können.
D
Spontan entscheide ich mich für einen alten Mann. Das bisschen Pixelplatz zwischen Brauen und Nasenwurzel nutze ich hauptsächlich für Falten. Fertig ist ein von Lebenszeit gezeichneter Blick. Damit die Brauen nicht zu eckig aussehen, verwende ich einen Kantenglättungstrick (Anti-Aliasing).
E
Was ein echter Mann ist, der hat auch einen Schnäuzer. Bei alten Leuten hängt nicht nur die Haut, sondern auch der Bart, folglich ziehe ich die Enden schön lang nach unten, wobei ich auf eine der Schwerkraft plausible Linienführung achte. Füllfarbe: Gelb!
F
Dem Mann sollen nicht nur gelbe Dreiecksflächen von der Nase hängen. Ich möchte den Bart als Gesamtheit einzelner Strähnen erscheinen lassen, also deute ich welche an. Dazu ziehe ich innere Linien, die der ungefähren Bartform folgen und gleiche sie im unteren Verlauf farblich immer mehr der Bartgrundfarbe an.
G
Nun verschiebe ich mir den bisher gestalteten Kopf an eine geeignete Stelle, um die übrige Kopfkontur anbringen zu können. Haarentwurf: Mittelscheitel, daran wohl Zöpfe, hinten lang und gewellt. Dazu ein ordentliches Kinn, dessen Verlauf ich unter dem Bart sinnvoll mitdenke; ich möchte ja keinen anatomischen Eklat hervorrufen. So richtig alt sieht der Mann nun gar nicht mehr aus. Na, dann halt nicht.
H
Mit der Nasenfarbe male ich das Kinn aus und korrigiere seinen Verlauf im Mundbereich nochmal nach. In Richtung Nasenoberseite male ich auch hier heller, unten nutze ich einen dunkleren Farbton. So sind Kinn und Nase gleichartig bestrahlt. Hervortretende Wangen deute ich zum Zwecke einer hageren Knorrigkeit mit demselben dunklen Farbton an, womit auch die Wangen ausgemalt wären. Als nächstes kommen die Haare. Bäh.
I
Haare. Eigentlich wie Bart, nur schwerer. Bis heute bin ich kein Könner, kaschiere das aber gern mit abwechslungsreichen Frisuren. Wie man Kopfhaar in der Theorie gut illusioniert, habe ich mir bei echten Experten angeguckt, wo das immer so ungemein einfach aussieht, aber sobald ich dann ... Ach, egal. Passt doch.
J
Beim Körper mogele ich, weil ich durch das Erklärungsschreiben in Zeitnot gerate und bald das Deutschlandspiel angepfiffen wird. Darum greife ich mir eine schon fertige Figur, die im Prinzip das anhat, was mein momentan auf dem Basteltisch liegendes Exponat ebenfalls tragen soll, operiere dem Altmodell den Kopf ab, färbe etwas um und setze den neuen Kopf drauf. Fertig. :)