Stadtleben
Wieder ist ein Abschnitt fertig und deshalb schreibe ich zu etwas vollkommen anderem, nämlich einer Fantasystadt, die dem Spieler einiges bieten, ihn aber nicht gleich erschlagen soll. So eine Fantasystadt ist bei rechter Größe eine schöne Stätte, an der man abwechselnde Eindrücke tanken und (nicht nur grafisch) etwas anderes als im Umland oder in kleinen Siedlungen erleben kann. Man tritt frohgemut ein und, falls man Glück hat, ist es keine Stadt des Typs A, die lediglich aus zwei echten Häusern und sonst nur Pappaufstellern besteht, was bedauerlicherweise ebenfalls für die NPCs gilt. Typ B hingegen ist das glatte Gegenteil: ein großes, wohlgestaltetes Areal, rappelvoll mit überall winkenden Spielmöglichkeiten und allerlei sich überkreuzender und voneinander irrender Pfade; ein opulentes Nebenquestenfest, das den Spieler herzlich in die Arme nimmt und ihn - natürlich ganz liebevoll - zerdrückt. Ich hasse das seit „Baldur’s Gate 2“. Erst strahle ich wie Ottfried Fischer beim „Friss auf, was du schaffst“-Menü, aber irgendwann wird es so lustig, wie den eigenen Keller aufräumen zu müssen. Dann lass doch ein paar Nebenquesten einfach liegen? Was für ein blödsinniger Vorschlag. Sie heißen zwar „Neben“questen, aber das sagt man doch nur so. Ist es deutsche Gründlichkeit oder eine eher internationale Befallenheit, die die meisten Rollenspieler eint? Im Alltag bin ich ein ausgeglichener, oberflächlicher Mensch, der an den Nöten seiner Mitmenschen vorbei spaziert. Doch sobald ein Pixelmännchen um Hilfe ruft, verwandele ich mich in ein zwanghaftes Ungetüm - eine Mischung aus Pfadfinder und Vampir, das erst vom Schauplatz ablässt, wenn er komplett leer gesaugt wurde. Der Ausweg wäre natürlich Stadttyp C, also ein Kompromiss. Wäre er - wenn es nicht noch Typ D gäbe. Aber genug von Inhalten, her mit Grafiken. So etwas erhält man, wenn man im Fantasyversandhandel eine Stadt bestellt und fragt, ob es die nicht auch in „Eiche rustikal“ gäbe: [Bild]