Spiele ich gut genug für mein eigenes Spiel?

Wer baut denn solche Scheußlichkeiten in sein Spiel ein? Welche Kopfzangengeburt hat diesen Piesepampel denn dazu verleitet, eine derartige Abnormität zu konstruieren, dachte ein hier ungenannt bleibender Entwickler, als er daran scheiterte, seinen eigenen Zwischenboss zu besiegen. Lachen wir gemeinsam über diesen Versager, werter Leser. Durch eine geheime Gehirntechnik bin ich in all meiner Erstaunlichkeit in der Lage, die Gedanken dieses beklagenswerten Geschöpfes zu lesen und protokolliere sie hier zum Ergötzen aller überlegenen Allesgelinger.

„Damit ein Boss was Besonderes bleibt, baue ich nicht einfach eine leistungsstärkere Variante bereits etablierter Standardmonster. Vielmehr denke ich mir ein darüber hinaus gehendes Kampfverhalten aus, durch das der Boss als unverwechselbarer Gegner möglichst eindrücklich auf die Heldengruppe einwirkt. Das darf auch mal reinknallen. Damit der Boss es nicht über- und den Spieler aus dem Spiel treibt, teste ich den Schwierigkeitsgrad tunlichst auf Barmherzigkeit. Ich selbst habe mich mir gegenüber wiederholt als hervorragendes Versuchskaninchen erwiesen. Nachdem ich den Bosskampf (Monsterwerte, Monstertalente, Kampfverhalten) gestaltet und schon mal technisch getestet habe, ob alles auf die Weise auslöst, die den erwünschten Effekt aus Rätselspaß und Verzweiflung hervorruft, baue ich solange am Spiel weiter, bis ich die ganzen Kampfdetails hinreichend gründlich vergessen habe. Jetzt kommt die eigentliche Prüfung. Schaffe ich den Boss immer noch? Immerhin bin ich der Entwickler und kenne nicht nur meine sinistren Absichten, sondern auch die Tricks hinter den Kulissen. Manchmal kriege ich trotzdem auf’s Maul. Gerade war es soweit und ich habe mich gefragt, ob ich manchmal von mir selbst unbemerkt in der Konzeptionsphase von verbotenen Pilzen nasche. In so einem Fall dumme ich das blöde Bossmonsterviech solange runter, bis ich es endlich aus den Latschen haue, ohne die Ressourcen der Heldentruppe gänzlich opfern zu müssen. Und das ist jetzt der Schwierigkeitsgrad für die Spieler? Nein. Das ist der Ausgangswert, von dem ich die schließliche Bossmonsterschwierigkeitsanforderung vermesse, indem ich nun ein Viertel der Schwierigkeit abziehe. Ich kann das exakt, also so richtig haargenau 25,00%, denn ich bin toll, alle anderen müssten das grob über den Daumen peilen. Dann ist das Bossmonster austariert und stellt für einen taktisch durchaus motivierten Spieler, der ohne Vorwissen über den folgenden Kampfverlauf ins Gefecht zieht, eine mittlere Herausforderung dar. Taktisch weniger versierte Spieler müssen sich an dem Biest stärker abarbeiten, während die Profis den Boss natürlich im Vorbeigang wegklicken und sich fragen, warum die kernigen Entwickler ausgestorben sind.“