neue Technik
Die folgenden Zeilen werden das Technikgedöns des RPG-Makers behandeln. Wen das nicht interessiert, der verpasst nichts, wenn er diesen Eintrag einfach überspringt. Nach so einer Einleitung kann ich vermutlich auch selbst zu tippen aufhören. ... Tatsächlich, keiner mehr da. Gut, dann führe ich eben ein Selbstgespräch. Und, wie isses? Na, muss ja. Der RPG Maker XP, mit dem ich „Endzeit“ erstelle, offeriert sich laut Eigenwerbung als Möglichkeitsmaschine. Die Option, von Fachmannhand erstellte Programmscripte einfach ins eigene Projekt einfügen zu können und damit ganz neue Spielmechaniken (Taktikkampf mit Wegfindung), neue Darstellungsweisen (Pseudo-3D) oder einfach nur beim Stöbern im Angebotskatalog neue Inspirationen fürs eigene Spiel zu sammeln, klingt erst einmal verführerisch. Bislang stoße ich auf zwei Herausforderungen:
1. Nur weil es etwas geht, muss ich es noch nicht gleich nutzen. Technisch mag ein Script interessant sein und womöglich auch den Spieler, der sich auf ein herkömmliches 2D-Abenteuer einrichtet, zunächst überraschen. Ich spiele dann auch gerne auf einer Testebene mit allerlei Kram herum. Allerdings - und hier liegt die Bewährungsprobe für mich - sollte ich in steter Regelmäßigkeit fragen, was so ein Zusatz denn zum Spiel abseits vom kurzzeitigen Verblüffungseffekt beitrage. Erwächst der Spielzuschnitt aus meinen konzeptionellen Abwägungen oder folgt er aus meiner unreflektierten Überwältigung durch die Verführungskraft des programmierten Protzes? Natürlich bin ich jederzeit bereit, nur das Beste von mir anzunehmen, aber ich schaue mir dennoch weiterhin skeptisch auf die Finger.
2. Nicht alle Scripte halten, was ihr Programmierer verspricht. Einige sind schlicht unfertig und fehlerhaft. Das kostet Siebezeit. Inzwischen gucke ich bei interessanten Versprechungen gleich auf die letzten Nutzerkommentare, denn wenn dort jemand über Probleme klagt, ohne eine Antwort erhalten zu haben, muss ich erfahrungsgemäß gar nicht mehr damit rechnen, dass der Fehler in der letzten Scriptversion noch behoben wurde. Der Programmierer hat sich längst vom RPG Maker abgewendet und lenkt nun Raketen zum Pluto oder Teller zum nächsten Gast. Es gibt Script-Wracke, die ich nur zu gerne als stolzes Schiff in meinem Projekt segeln gesehen hätte und neben der verschwendeten Zeit verliere ich auch regelmäßig dicke Tränen. Die letzte Bastion echter Emotionalität im angebrochenen dritten Jahrtausend ist ganz klar der RPG Maker. Entweder gehe ich gereifter oder charakterlich vernarbter aus der Affäre - wobei Spötter beharrlich behaupten, das sei doch das Gleiche.